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Es war einmal ein kleines Dorf über dem Gardasee, eingebettet zwischen Olivenbäumen. Das Leben verlief ruhig, und die Menschen – arm, aber ehrlich – halfen einander ohne Zögern.

Pfarrer Danilo kannte alle: ihre Freuden, ihre Sorgen, ihre Geschichten. Jeden Morgen machte er sich früh auf den Weg zu seinen Gemeindemitgliedern. So auch am 24. Dezember 1955, nach der Frühmesse um sieben Uhr, die er mit Schwester Olivetta gefeiert hatte. Doch bevor er ging, wurde er von seiner Haushälterin, Siora Antonella, zurechtgewiesen: Wie könne er mitten im Winter nur mit der Soutane herumlaufen? Oscar und Elena, die Käsemacher, lagen mit hohem Fieber im Bett, aber Don Danilo behauptete, ihm sei warm genug – seine Füße froren nie, und unter dem Priesterhut schwitzte er.

Im Dorf herrschte große Betriebsamkeit: Weihnachten stand vor der Tür. Die heilige Lucia war bereits vorbeigekommen, doch inzwischen feierte man auch die Geburt Christi. Bruno, der ältere Herr mit Weste und Mantel, schimpfte über all diese „modernen Dinge“, aber Don Danilo schenkte ihm keine Beachtung: Ob alt oder neu – Jesus würde in dieser Nacht für alle geboren.

Am sogenannten „Schloss“, in Wirklichkeit nur das schönste Haus in Campo, sah er die Frauen schon bei der Arbeit. Paola, die Matratzenmacherin, bearbeitete die Wolle mit großer Geschicklichkeit. In der Tür erschien Maria mit ihrer Nähmaschine, einem wertvollen Geschenk der Gräfin von Brenzone als Dank für ihre Hilfe im Krieg.

In der Nähe hatten die Fischer bereits ihren Fang eingeholt. Matteo und Bruno ordneten die Netze, und auf Don Danilos Gruß – „In Ewigkeit gelobt!“ – antworteten alle respektvoll. Ein Lächeln tauschte er auch mit Antonietta, die trotz der Armut für ihre Schönheit und Eleganz bekannt war.

Francesca, die Korbflechterin, vollendete die Wiege für das Jesuskind. Anne, die Französin, fand, dass ein so wichtiger Tag ein makelloses Haus verdiente, und schlug mit Energie die Matratze aus.

Die Schwestern Silvia und Giulia waren beschäftigt: Giulia bereitete Unmengen an Tagliatelle zu, denn die Familie war groß, während Silvia unermüdlich bügelte, damit die Kinder ihre besten – oder zumindest am wenigsten abgetragenen – Kleider tragen konnten. Für Nicolò, den Ältesten, stärkte sie das Festhemd. Die andere Silvia, ihre Schwägerin, brachte einen Korb voller Eier für noch mehr Tagliatelle. Holz wurde ebenfalls gebraucht, doch darum kümmerten sich Renato und sein Sohn Gabriel, die seit Tagesanbruch Holz hackten.

Lehrer Luigi ließ die Kinder – auch am Heiligabend – das Gedicht üben, das sie in der Kirche vortragen würden. Das Gedicht stammte von Rita, der Künstlerin des Dorfes. Das Dorf war klein, und zwischen einer Zeile und der nächsten wurde es Mittag. Don Danilo kehrte in der Osteria von Richard und Daniel ein, zwei Deutschen, die aus Liebe zum See in Italien geblieben waren. Ein Glas Wein und eine warme Suppe gaben ihm neue Kraft. In der Küche bereiteten viele Frauen des Dorfes etwas Warmes für die Weihnachtsnacht vor.

Auf dem Rückweg traf er Alessandro, den Schuster, der kürzlich Michela, die Hebamme, geheiratet hatte. Seltsame Gerüchte machten die Runde: Man sagte, die Schuhe für den Sohn der Postbotin Rosa seien nicht von ihrem Mann Roberto gekauft worden, sondern vielleicht vom Pfarrer selbst. Don Danilo wurde wütend – reine Verleumdung. Der Vater des Kindes war der fleißige Schmied, nicht er.

Um sich zu beruhigen, besuchte er seine Jugendfreunde Elio, Umberto und Angelo, die gerade ihre Werkzeuge ordneten. Ein paar Worte mit ihnen hoben seine Stimmung.

Gegen Abend, während die Frauen sich zum Filò trafen – der perfekte Moment für ein wenig Klatsch – verstummte alles, als Don Danilo mit Michela eintrat. Er warf Paola, Roberta und Anna einen tadelnden Blick zu: Die ersten beiden strickten, Anna bereitete Butter für die Weihnachtskuchen zu. Dann eilte er in die Kirche, bevor Siora Antonella sich wieder ärgerte.

An der Quelle traf er Cilia, die Wasser in den Stall brachte, Cristina, die die Abendmilch nach Hause trug, und Sandra, die die Wäsche einsammelte, noch feucht vom eiskalten Wasser. Alle eilten, doch ihre Herzen waren voller Erwartung.

Um acht Uhr kam die Musikkapelle aus Castelletto. Wie der Rattenfänger zog ihre Musik alle aus den Häusern. In einer Prozession brachte jeder ein einfaches Geschenk – wie die Heiligen Drei Könige. In der Kirche erwartete sie eine besondere Krippe: ein Jesuskind mit dunkler Haut, ähnlich den amerikanischen Soldaten, die man im Krieg gesehen hatte.

Don Danilo lächelte und sagte leise:
„Es gibt keine Farbe. Wir sind alle Menschen, alle Brüder.“

Und in dieser Weihnachtsnacht, im kleinen Dorf am See, verstanden alle, dass Frieden aus Gastfreundschaft entsteht – und dass Brüderlichkeit das größte Geschenk ist, das man der Welt machen kann.

Fotos: Rita Aloisi – Video: Tiziano Cristofoli